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Die authentische Kellergasse - die wesentlichen Bestandteile

Die von den Weinhauern errichteten Kellerröhren und vorgelagerten Presshäuser waren reine Zweckbauten, die ohne größere Planung errichtet wurden. Sie dienten allein der Weinproduktion und/oder Weinlagerung. Die Presshäuser wurden zumeist ohne Lot und Wasserwaage, einfach nach Augenmaß von den Bauern oder Handerkern selbst errichtet. Sie waren nur auf ihre Funktion ausgerichtet.

Nur sehr selten sind Presshäuser oder Keller singulär. Fast immer reihen sich zumindest ein paar Objekte aneinander, manchmal nur einseitig, manchmal beidseitig eines Weges. Sie wurden teilweise auch auf ebenem Gelände errichtet, zumeist jedoch in die Seitenwände von Hohlwegen oder in die Hänge der Erhebungen der Weinviertler Hügellandschaft getrieben. Je nach Form der Anlage spricht man dann von Kellergassen oder Kellertriften, Kellervierteln, „Kellerplatzln“, Kellerdörfern oder Kellerbergen.

Die Keller selbst wurden in unterschiedlicher Weise in den Löss gegraben. Es gibt einfache Kellerröhren, aber auch solche mit Verzweigungen und Nebengängen oder miteinander verbundene Kellerröhren. Auch bereits vorhandene Erdställe wurden manchmal angegraben, erweitert und in das Kellersystem integriert, was speziell unter Hausbergen regelrechte Kellerlabyrinthe entstehen ließ (Kronberg, Althöflein etc.). Die Kellerröhren sind entweder einfache Lehmröhren oder sie wurden mit Ziegeln gewölbt.

In steilen Lösswänden wurden häufig nur die Portale mit der Kellertür gesetzt (Herrnbaumgarten/Schindergasse). Über der Erde sind den Kellern entweder “Vorkappln” oder Presshäuser vorgelagert.

Je nach den Platzgegebenheiten wurden die Presshäuser entweder giebel- oder traufenseitig zur Kellergasse hin aufgebaut. Die Giebel können entweder gemauert und verputzt oder aber auch mit Holzschalungen versehen sein. Holzverkleidungen bei Presshäusern waren fast immer unbehandelt und entsprechend nach längerer Zeit verwittert.

Typisch für ein authentisches Presshaus ist die Lage der Eingangstür, die fast immer etwas versetzt in der Presshausfront gegenüber dem Kellerabgang liegt. Links oder rechts davon war Platz für die Pressarbeiten. In großen Presshäusern stand dort auch die Baumpresse, in kleineren Schüssel- oder Spindelpressen. Die Türen sind zumeist sehr schlicht gehalten und zweiflügelig. Sie besitzen häufig in der Mitte einen Pfosten („Türgrad“) der bei Bedarf herausgenommen werden konnte. Häufig, besonders während der Gärzeiten, war bei vielen Presshäusern zusätzlich (oder auch statt eines Türflügels) ein Gärgitter angebracht. Dieses ist ebenfalls häufig aus Holz ausgeführt, manchmal auch aus Metall gefertigt. Dies hatte den Vorteil, dass ein Türflügel offen gelassen werden konnte, um die Gärgase entweichen zu lassen und man gleichzeitig trotzdem den Keller vor dem Zutritt Unbefugter gesichert wissen konnte. Wie alle Bestandteile eines Presshauses aus Holz (Giebelverschalung, Fensterrahmen, „Gaittürl“) war auch die Tür entweder natürlich belassen oder mit Kupfervitriol (Kupfersulfat) gebeizt, was den Holzteilen im Lauf der Zeit einen bläulich-grünen Farbton verlieh. Kupfersulfat wurde früher auch zur Bekämpfung von Pilzerkrankungen in Weingärten verwendet.

Eine Besonderheit sind die Schlossbleche an den Kellertüren. Diese weisen eine ungeheure Vielfalt an Formen auf. Schild, Herz und Raute sind nur als eine der häufigsten zu nennen. Nicht nur die Form hatte Symbolcharakter, sondern auch das Schlossblech an sich, nahm es doch den Kellerschlüssel und damit den Schlüssel zum Reich und Besitz des Weinhauers auf. Das Kellergassen-Schlossblech kann heute vielerorts im Weinviertel als Souvenir erstanden werden.

Die Fenster der Presshäuser hatten mehr eine Lüftungs- denn eine Belichtungsfunktion. Sie sind deshalb auch relativ klein. Manche Presshäuser besitzen auch nur Lüftungsschlitze oder entsprechende kleine Öffnungen. Die Fenster oder Lüftungsöffnungen befanden sich zumeist im mittleren oder oberen Bereich der Presshausmauer, Lüftungsöffnungen meistens auch im Giebel. Fenster sind ausnahmslos rechteckig oder quadratisch. Lüftungsöffnungen können hingegen auch rund oder etwa in Kreuzform ausfallen. Wenn die Fenster einen Rahmen hatten, dann handelte es sich um einen Holzrahmen, der tief eingemauert war. Die Fenster waren kaum verglast. Umso öfter kam ein Flacheisen- oder Stabfenstergitter vor.

Bei Presshäusern ist häufig auch ein „Gaitloch“ zu finden. Eine Öffnung in Bodennähe, die mit einem „Holztürl“ („Gaittürl“) verschlossen wurde. Durch diese Öffnung konnte die Maische nach der Lese über ein „Gait“ oder „Schoßkoar“ (eine Art hölzerne Rutsche) in das Presshaus befördert werden. In manchen Kellergassen fehlt diese Öffnung wie etwa in der Kellergasse Falkenstein, weil sie entweder nachträglich zugemauert wurde oder nicht notwendig war, weil die Zufuhr der Maische in diesem Fall über die Presshaustür erfolgte. Die Wände der Presshäuser wurden mit Kalk geweißelt – in seltenen Fällen auch gefärbt. Sie wurden zumeist aus (ungebranntem) Lehm errichtet, teilweise auf einem Stein- oder Ziegelsockel. Die Wandstärke betrug um die 50 cm.

Die häufigste Dachform bei Presshäusern ist das Satteldach mit unterschiedlicher Dachschräge (meist um die 35 – 40°) und hin und wieder mit Schopfwalm (etwa in der „Loamgrui“ in Unterstinkenbrunn). Manchmal ist auch ein vollständiges Walmdach zu finden. Die Dächer der Presshäuser waren früher mit Stroh gedeckt. Jedoch wurden ab dem ausgehenden 19. Jh. immer häufiger Dachziegel verwendet. Dabei kam vor allem die Form der „Wiener Tasche“ zum Einsatz. Im Lauf der Zeit setzte sich Patina an, was für alte Presshäuser ebenfalls charakteristisch ist. Beim Gesimse waren vor allem zwei Formen üblich. Das Sparren- und das Staffelgesimse. In manchen Kellergassen, etwa in Falkenstein, finden sich die „Heutürln“ im Giebel. Entsprechend wurde der Dachraum zur Heu- oder Strohlagerung benutzt.

Dachrinnen kamen bei Presshäusern ursprünglich nicht vor. Zur Unterstützung des Wasserabflusses bestehen meistens zwischen den Presshäusern schmale Zwischenräume, die so genannten „Schlufs“ oder „Reia“.

Die Kellergassen waren im Allgemeinen nicht beleuchtet. Die Weinhauer brachten ihre Beleuchtung in Form von Petroleumlampen und Kerzen selbst mit. Erst im 20. Jh. wurde es nach und nach üblich, hie und da auch einfache Lampen anzubringen. Die so genannten „Vorplatzln“, die Räume vor den Presshäusern bzw. Kellereingängen, waren meist nicht sonderlich befestigt. Am häufigsten waren sie als Grünfläche gestaltet. Mitunter wurde Granit- oder „Schattauerpflaster“ verwendet.

Als klassischer landwirtschaftlicher Funktionsbau entspricht ein Presshaus manchmal nicht den heute angelegten Kriterien bei der Gestaltung als Freizeitraum. Die Feuchtigkeit in Kellern und Presshäusern ist natürlich gegeben und half, die Weinfässer dicht zu halten.

Mit der Abnahme der Bedeutung der Presshäuser und Weinkeller für die Weinerzeugung einhergehend mit der Entwicklung größerer und modernerer Produktionsstätten ab den 1950er und 1960er Jahren schien auch das ursprüngliche Erscheinungsbild verloren zu gehen. Vor allem in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren verfielen viele Presshäuser und Keller und damit ganze Kellergassen oder es wurden einzelne Objekte zu Wochenendhäuschen oder Partykellern umfunktioniert. Dabei wurde auf ein authentisches Erscheinungsbild kein Wert gelegt. Häufig wurden Presshäuser aufgestockt oder ausgebaut, mit Bestandteilen versehen, die niemals in einer typischen Weinviertler Kellergasse vorkamen, in verschiedenen Farben gestrichen, mit Eternit verkleidet usw.

Heute gibt es Initiativen und Projekte, welche die authentische Revitalisierung der Weinviertler Kellergassen zum Inhalt haben. Gemäß den Richtlinien können Keller- oder Presshausbesitzer ihre Objekte restaurieren und revitalisieren, auch wenn sie heute meistens einem anderen Zweck als dem ursprünglichen dienen.

(Autor: Horst Krönigsberger)

Literatur:

  • Interview mit Christian Kalch in: Kellergassen im Weinviertel. 100% Weinviertler Kulturgut, Broschüre der LEADER Region Weinviertel Ost, 2010, S. 6f.
  • Krammer, Wolfgang/Rieder, Johannes: Weinviertler Kellergassen. Unsterblicher Kulturschatz, Schleinbach 2012.
  • Leierer, Helmut: Zukunft Kellergassen, Baugestaltung, Wien 2004.

mehr über die authentische Kellergasse und richtige Kellergassenrevitalisierung: Kellerbörse; LEADER-Kellergassenbroschüre.

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